Veröffentlicht in Allgemein, Einsatzberichte, Gesellschaftskritik& Meinungen, Krankheit & Leben, Nähkästchen, persönlicher Senf, Rettungsdienst

Aus dem Nähkästchen #5 oder ein Vergleich

Ich tue mich schwer diesen Beitrag zu beginnen. Am Wochenende habe ich mich gleich zwei Mal sozusagen digital über meinen Beruf als Rettungsassistentin unterhalten. Es ging dabei um schöne , aber auch um schwierige Momente. Eine Leserin schrieb mir sie beneide mich um die Erfahrungen, die Abwechslung und den Facettenreichtum meines Jobs und wünschte sich ich würde mal wieder einen Einsatzbericht verfassen.  Auch auf Twitter und unter meinem letzten Beitrag (Klick)führte ich eine durch aus interessante und fruchtbare Diskussion. Es ging dabei um eben um Grenzen an die ich was Entscheidungen oder Maßnahmen angeht als Rettungsassistentin stoße. Außerdem ging es um Einsätze die eben nicht lustig oder harmlos sind.Bisher habe ich vor allem über Einsätze geschrieben die entweder lustig, lehrreich, nur für mich bewegend oder eher harmlos waren. Ich habe bisher auch nicht darüber geschrieben wie es ist vor Ort entweder mit Angehörigen, Eltern oder Patienten zu  über die Therapie zu diskutieren. Ich habe nicht beschrieben wie es ist von Patienten oder Angehörigen beleidigt oder tätlich angegriffen zu werden. Ich habe nicht erzählt wie man sich fühlt, wenn man noch im Einsatz weiß es wird eine Beschwerde kommen, obwohl man alles richtig gemacht hat. Ich habe vor allem aber nicht erzählt wie es sich anfühlt, wenn ein Notarzt meilenweit entfernt ist, der Patient in Lebensgefahr schwebt, aber alle dir als Rettungsassistentin rechtlich freigegebenen Maßnahmen erschöpft sind und du nun nach einer Lösung suchst. Ich habe die Wut, das Unverständnis und das Problem ruhig und unemotional zu bleiben nicht dargelegt, welches in einem aufsteigt, wenn man bei häuslicher Gewalt, Kindesmisshandlung, Missbrauch( Kinder/Erwachsene), Gewalt/Pöbeleien gegen uns oder Patienten/Eltern die vehement gegen alles Schulmedizinische und das Impfen sind vor Ort ist.

 

Jetzt kann man fragen warum ich genau das bisher nicht getan habe. Ich wollte einfach fassbar machen was meine Liebe, mein Herzblut für meinen Beruf ausmacht. Wollte zeigen das es eben nicht immer dramatisch ist. Mit meinem Beitrag über Reanimation wollte ich vor allem ermutigen an zu fangen zu reanimieren auch wenn man denkt man mache alles falsch und das eigene Herz scheinbar bis zum Hals schlägt. Besagter Beitrag (klick) sollte zeigen das eben Laienhilfe leben retten kann. Ich wollte diese Einsätze auch für mich aufschreiben. Sei es weil sie mich bewegt haben oder um mir in Momenten in denen mich der Job einfach nur nervt daran zu erinnern es kann auch anders sein.

 

Doch zurück zum Anfang. Ich möchte heute gleich zwei Einsätze beschreiben. Das Meldebild( also das Stichwort bzw. die knappen Infos die wir auf dem Weg zum Einsatz haben) war nahe zu identisch. In beiden Fällen kam ich an eine Grenze und die Einsätze sind mir in Erinnerung geblieben. Doch beide unterscheiden sich von Grund auf. In beiden Fällen wird es um Kinder gehen. Lest selbst:

Fall Nummer 1 : Schlumpf auf dem Lande

Es bisher ein ganz normaler Wochentag auf der Hauptrettungswache. Es ist warm. Der Tag läuft so vor sich hin mit der üblichen Mischung von Einsätzen. Ein paar wirklich richtig Kranke, ein paar Kranke und ein paar wo der Hausarzt mehr als ausreichend gewesen wäre. Business as usual. Ich verbringe den Tag mit einem Beamten von der Feuerwehr. Ob er auch Rettungsassistent oder „nur“ Rettungssanitäter ist ich weiß es nicht mehr. Es ist auch eigentlich egal. Ich arbeite in der Regel so das jeder seine Ideen, Meinungen und Wünsche im Team äußern soll. Erfahrung, Tagesverfassung, spontane Ideen spielen eben oft eine entscheidende Rolle. Wir rollen gerade von der Tankstelle und wollen zurück zur Wache als der Melder schrillt. Kindernotfall mit Notarzt Fieberkrampf steht auf dem Display des Melders. Über Funk werden wir informiert das ein EHT ( ErstHelferTeam, anders wo auch HvO Helfer vor Ort o,ä. sind Ersthelfer häufig mit mehr als einer Sanitätsausbildung die in ländlichen Gebieten schon mal voraus geschickt werden um eine erste Versorgung zu machen) auch alarmiert ist. Aus Neugierde frage ich welches NEF ( Notarzteinsatzfahrzeug) kommt, da ich von unseren noch keines zum Einsatz sich ausmelden hören habe. Ja zu euch kommt der Christoph GroßChaosstadt. Also ein Rettungshubschrauber aus der benachbarten Großstadt. Wir hören auch das EHT kommt von einem anderen Einsatz direkt zu unserem. Egal im Zweifel wird jede Hand gebraucht. Ich denke vermutlich werden wir weder Notarzt noch EHT brauchen da in der Regel bis zu unserem Eintreffen der Krampf längst wieder beendet ist und je nachdem die Eltern sowas auch schon kennen. Mein Bauch sagt mir lass mal alles wie es ist und warte ab.

Kurz bevor wir in den Ortsteil des Alarms abbiegen kommt uns das EHT Auto entgegen, wir müssen also nur noch hinter her fahren. Wir treffen wenige Sekunden nach dem Kollegen ein. Ich sehe ihn aussteigen und bin erfreut ich kenne den Kollegen auch privat und aus dem Ehrenamt ich weiß er ist eine echte Hilfe. Eilig schnappen wir uns unsere Ausrüstung und betreten das gepflegte Einfamilienhaus. Direkt im Eingangsbereich quasi auf dem Treppenabsatz der Kellertreppe liegt auf seiner Bettdecke ein etwa 3 Jahre alter Junge. Seine Mutter erklärt uns er habe schon häufiger einen Fieberkrampf gehabt, sie habe ihn dennoch fiebern lassen und war sich nun unischer ob es wieder ein Fieberkrampf sei. Sie erzählte auch das ihr Sohn ein Eis haben wollte und dann im Flur zusammenbrach und machte sich Sorgen ob das Eis nun der Auslöser sei. Während wir ihr zu hören beginnen wir unsere Maßnahmen. Die Augen des Jungen sind nach oben verdreht und zucken, eben so wie seine Füßchen und sein Kiefer mahlt vor sich hin. Außerdem sind seine Lippen, Finger, Ohrläppchen und irgendwie das ganze Gesicht ziemlich blau. Wir messen die Sauerstoffsättigung. 44% und dieser Wert ist glaubhaft. Sofort beginnt mein Kollege damit den Jungen assistiert zu beatmen bald merkt man es ist in diesem Moment eine kontrollierte Beatmung der Junge atmet nicht selber. Die Mutter erzählt uns er sei auch sehr erkältet. Ich drehe den Sauerstoff auf und hänge ihn an den Beutel und beginne Reanimationsbereitschaft her zu stellen. In dem ich das restliche Monitoring wie EKG, DefiPaddles , Blutdruck, Intubation, Adrenalin bereitlege.

Der Junge beginnt nun tonisch-klonisch am ganzen Körper zu krampfen. Nach etwa 30 Sekunden geht er wieder in den vorherigen Zustand über nur sein Beine zucken nun stärker. Wir entschließen uns ihm die uns freigegebene Medikation zu verabreichen. Wir geben ihm 5mg Valium über den Darm als Rectiole (siehe hier) . Es wird dort schnell resorbiert. Die blaue Färbung nimmt ab und auch die Sauerstoffsättigung steigen seit Beginn der Beatmung. Wir überlegen kurz abzusaugen da nun deutlich zu hören ist, dass eine Menge Schleim in den Atemwegen ( Nase/Rachen hängt) und entscheiden uns dagegen. Bei Kindern schwellen die Schleimhäute viel schneller an und dann wäre eventuell jede Chance den Jungen zu intubieren dahin. Inzwischen reicht es die Maske aus der Sauerstoff sprudelt nur noch vor Mund und Nase zu legen. Allerdings ändert sich nichts er wechselt zwischen fokalen und generalisierten Krämpfen hin und her. Die Menge Meidkament wirkt nicht, die Mutter war sich mit dem Gewicht auch unsicher ich denke auch das es eher mehr als 15 Kg sind. Wir geben als noch mal die gleiche Menge nach. Nichts passiert.

Während wir warten entschließen wir als Team einen Zugang zu legen in der nächsten fokalen Phase. Der Kollege vom EHT fragt was er tun soll, was ich haben will. Ich bitte ihn nach zu fragen wann der Hubschrauber kommt  und mir eine Ampulle Midazolam zu bringen. Ein weiteres Mittel um einen Krampf zu durch brechen. Der kleine Mann krampft nun schon seit mindestens 10 min. Insbesondere für das Gehirn nicht gut dazu der Sauerstoffmangel ich mache mir Sorgen. Ich lege den Zugang. Mein Kollege spricht mit der Mutter erklärt ihr die Anfangs noch fragte ob sie nicht hätte selber fahren können und nun gemerkt hat wie Ernst die Lage ist, dass wir mit unseren Maßnahmen die uns rechtlich freigegeben sind nun am Ende sind. Wir aber überlegen ein weiteres Medikament zu geben. Ob sie einverstanden wäre. Sie willigt ein. Wir versuchen über die Leitstelle Kontakt zur Hubschrauber Crew zu bekommen um uns ab zu sichern oder nach anderen Ideen zu fragen. Wir beginnen das Midazolam auf zu ziehen. Über die Leitstelle kommt die Meldung Arzt gibt uns alle Ideen frei. Sie wären je nach Landeplatz in 3-5 Minuten da. Wir entscheiden den Zugang über den eine Infusion ohne Probleme läuft langsam und schrittweise das Medikament zu geben. Gerade als ich das erste Mal etwas geben will höre ich das FlappFlapp des Hubschraubers. Der EHT Kollege läuft raus um sie mit dem Auto von der mehr als nahen Wiese zu holen. Der Notarzt kommt rein fragt nur knapp was ich da habe. Der Junge krampft nun wieder generalisert. Ich sage ihm knapp welches Medikament und was wir schon getan haben. Er weißt an 2,5 mg zu geben. Nichts passiert auch hier. Schnell erzählen wir den Neuankömmlingen was wir vorgefunden haben, was wir gemacht haben und was unsere Pläne waren. Wir bekommen viel Lob für unser umsichtiges Handeln und beschließen nun schnell in den RTW um zu ziehen.

Dort beschließen wir den Jungen in eine Narkose zu versetzen. Die Sättigung schwankt sehr je nachdem ob er Fokal oder Generalisiert krampft. Wir bereiten alles vor für Narkose und Beatmung. Es kommt die Frage auf wie schnell wir in der Kinderklinik sein könnten. Wir schätzen bodengebunden auch mit Alarm von dort nicht unter 10 eher 15 Minuten in die nächste Kinderklinik zu brauchen. Damit ist die Entscheidung gefallen. Sie fliegen ihn. Nach GroßChaosstadt in die Kinderklinik. Wir fahren die wenigen Meter bis zum Landeplatz. Der EHT Kollege bringt die Mutter nach. Der Hubschrauber ist die Sensation der Nachbarschaft. Wir helfen beim umladen. Setzen die Mutter mit in den Hubschrauber. Ernten noch erneut Lob und Dank von Kollegen und Angehörigen. Der Kollege ist in Hundekot getreten. Der Hubschrauber startet wir halten die Mülltonnen der Nachbarn fest. Wir bedanken uns beim EHT Kollegen. Der Hubschrauber wird kleiner am Himmel. Es ist wieder ein wundervoller, friedlicher Sommertag. Völlig durchgeschwitzt und erschöpft fallen wir auf die Sitze. Was trinken kurz durch atmen. Nur stinkt der Schuh des Kollegen so bestialisch das daraus nichts wird. Er steigt aus nimmt sein Wasser geht zur Wiese und reinigt den Schuh. Die Nachbarschaft zieht sich langsam zurück.

Wir beginnen das Auto wieder auf zu räumen und zumindest leidlich wieder Einsatzbereit zu machen. Es ist uns beiden nicht nach reden zumute. Es ist ein mieses Gefühl ein Kind blau wie ein Schlumpf vor einem liegen zu haben. Noch viel mieser ist es zu wissen ein Arzt ist unerreichbar weit weg und man selbst eigentlich mit dem was man tun darf am Ende und der Patient droht zu sterben. Hinzu kommt immer noch die bange Frage nach möglichen Folgeschäden. Dazu ist der Patient auch noch ein Kind. Wir sind uns einig der Einsatz ist sehr gut gelaufen. Trotzdem sind wir einfach fertig. Wir werden nicht erfahren ob der Junge Folgeschäden behalten wird. Es bleibt das miese Gefühl zu wissen was man tun könnte, aber es nicht zu dürfen. Tut man es doch und es geht vor Gericht ist es eine Frage was der Richter tut. Tut man nichts und es geht schief ist es auch wieder fraglich wie einem das ausgelegt wird.

Dieser Fall zeigt eine Mutter die zwar völlig fertig und zu recht überfordert ist, aber alles tut um das Leben ihres Kindes zu tun und vor allem uns und der Schulmedizin vertraut. Er zeigt aber eben die Grenzen an die man persönlich als Helfer kommen kann. Es fühlt sich einfach nur mies an.

Fall 2 hingegen zeigt eine andere Art von Wahnsinn

Fall2 Gegen die Natur:

Ein anderer Tag im Sommer. Wieder war ich auf der Hauptrettung. Auch dieser Tag war bisher ohne größere Ereignisse verlaufen. Der Melder bimmelt. Fieberkrampf in einer KiTa. Kurz bin ich verwirrt. Naja kann ja sein das sich das Fieber erst in der KiTa entwickelt hat und Mama das Kind nicht krank abgegeben hat. Wir kommen nur wenige Minuten vor dem Notarzt an der Einrichtung an. Eine schöne KiTa mit einem tollen Außengelände. In einer Kuschelecke liegt die kleine Emma*( alle Namen geändert) und schläft um den Kopf hat sie einen Verband. Verwundert frage ich nach. Die Erzieherin erzählt sie wäre bei Beginn des Krampfanfalls gerade auf dem Weg von draußen nach drinnen gewesen und dabei mit dem Kopf aufgeschlagen. Ihnen wäre auch erst jetzt wo der Krampf vorbei ist aufgefallen das die Kleine heiß sei. Wir messen vorsichtig Temperatur und Sättigung. 39.9°C und 99%. So weit so gut. Die Erzieherin wirkt nervös. Ich nehme sie unauffällig bei Seite. Sie erzählt sie habe Sorge die Mutter könne sich sehr aufregen. Ich bin verwundert und sage ihr sie habe alles richtig gemacht. Kind krampfen lassen, in eine ruhige Umgebung bringen, Platzwunde versorgen, gleichzeitig uns rufen lassen. Ja sie hätten die Mutter erst nicht erreicht. Diese sei eine sehr Alternative. Sie schwöre vor allem auf Globuli und Heilpraktiker von den Chemiebomben und der Schulmedizin halte sie nicht viel. Sie ist in Sorge die Mutter könnte die Mitnahme in einer Klinik verweigern und ihr Vorwürfe machen. Ich versuche sie zu beruhigen und ihr zu sagen wir regeln das mit der Mutter. Wir wollen noch den Moment warten mit dem verbringen in den RTW bis die Mama da ist, laut der Erzieherin arbeite sie ganz in der Nähe.

Emma war kurz wach und weinte herzzerreißend, übergab sich und schlief dann die Hand des Kollegen haltend wieder ein. Als Emmas Mutter ankommt beginnt sie erneut zu krampfen. Zwar laut der Erzieherin nicht so schlimm wie beim ersten Mal, aber Krampf bleibt Krampf. Unser Notarzt erklärt der Mutter was passiert ist und das er nun auch eine Diazepam Rectiole geben wolle. Die Mutter wird laut. Wir würden ihr Kind mit Gift voll pumpen. Überhaupt warum wären wir überhaupt hier sie habe doch ausdrücklich gesagt kein Rettungswagen. Wir versuchen sie zu beruhigen, ihr klar zu machen in welcher Gefahr sich ihre Tochter befindet. Erklären ihr, dass die Erzieherinnen schon aus rechtlichen Gründen, wenn sie die Mutter nicht erreichen einen Rettungswagen rufen müssen. Es wird ziemlich hässlich. Der Krampf ist durchbrochen Emma ruft kurz danach nach ihrer Mama. Sie nimmt sie in die Arme auf ihrem Schoß schläft sie wieder ein. Doch sie fängt weiter an zu zettern wir würden jetzt bestimmt auch Tetanus impfen wollen oder spätestens das Krankenhaus und überhaupt hätten Globuli satt Diazepam und Paracetamol es ja sicher auch getan. Fiebern wäre wichtig und dies ja nicht der erste Fieberkrampf. Fieber sei nun mal ein Abwehrmechanismus. Gekrampft habe die kleine Motte auch schon mal länger als 10 min warum wir so einen Zirkus machen würden es hört schon wieder auf. Ich muss an den Einsatz mit dem kleinen Jungen vor einigen Wochen denken. Ich merke Wut in mir aufsteigen. Der Notarzt sagt ihr sie solle auch im Interesse ihrer Tochter nicht so brüllen. Mit einem ich gehe die Trage holen entziehe ich mich der Situation.

Ich höre noch ein das können Sie sich sparen Emma bleibt hier von der Mutter hinter mir her gebrüllt. Ein kurzer Blick zum Notarzt und ich weiß Emma kommt mit und zur Not gegen den Willen ihrer Mutter. Hier ist im Zweifel das Kindeswohl akut gefährdet. Ich hole die Trage. Eine erneute heftige Diskussion entbrennt. Am Ende sieht die Mutter ein das sie keine Wahl hat oder vielleicht auch das wir Recht haben ich weiß es nicht. Zum Einlenken brachte sie erst die Aussage kommen Sie mit zur Not können Sie sich im Krankenhaus immer noch gegen Unterschrift entlassen lassen. Von der Erzieherin wusste ich die Mutter hat das alleinige Sorgerecht. Wir bringen Emma nach GroßChaosstadt in die Kinderklinik.

Hinter her im Auto merke ich immer noch meine Wut. Ich erzähle meinem Kollegen von dem Einsatz mit dem kleinen Jungen. Er ist selber Vater und ebenfalls stinksauer. Er sagt was ich auch denke. Grundsätzlich glaube ich das jedes Elternteil nur das Beste für sein Kind will und auch glaubt das zu tun. Doch woher kommt diese fanatische Ablehnung von Impfungen und Schulmedizin. Wir sind ratlos und fast schon sicher, dass es eine Beschwerde hageln wird. Wir verfassen also schon mal mit dem NEF Team vorsorglich ein Gedächtnisprotokoll um bei der Stellungnahme besser argumentieren und zitieren zu können. Wenige Tage später kommt es genau so. 3 Dienste später schreibe ich meine Stellungnahme. Zwei Monate später treffe ich Emma in der KiTa erneut. Wir sind dort um ein anderes Mädchen das sich an einem Fenster eine Platzwunde geholt hat zu versorgen. Emma erklärt ihr wäre alles nicht schlimm. Eine süße, quirlige, blondgelockte Maus mit braunen Augen ist sie die Emma. Ihre Erzieherin erzählt das alles ohne Folgeschäden blieb. Allerdings erzählt sie auch das die Mutter einen bitterbösen Brief an die Leitung geschrieben hat und überlegt wird schon weil die Mutter was die Impfungen angeht gelogen hat ob Emma die KiTa verlassen muss. Armes Kind denke ich  während meine Azubis Lotta versorgen.

 

Diese beiden Einsätze zeigen wie unterschiedlich vermeintlich gleiche Einsätze ablaufen können. Natürlich ist so der Rettungsdienst. Eben nie gleich, dynamisch und all das. Ja das macht auch einen Teil des Reizes aus. Allerdings waren es beides Einsätze wo ich ein wenig an meine Grenzen kam. Einmal mit dem was ich tun darf und einmal emtional bzw. mit meinem Verständnis für das Handeln der Mutter. Emma wurde nicht gegen Tetanus geimpft.  Wie weit geht die persönliche Freiheit. Wie weit geht das ich nenne es Erziehungsrecht der Eltern? Ab wann ist das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit gebeugt oder verletzt? Beginnt es bei einer nicht behandelten Platzwunde? Bei einer nicht gegebenen, empfohlenen Impfung? Bei Schmerzen die nur mit Globuli behandelt werden? Bei einer aus religiösen Gründen nicht gegebenen Bluttransfusion?

Ja, es gibt Möglichkeiten im Zweifel gegen den Willen der Eltern zu handeln. Eben wenn das Recht des Kindes auf Leben oder auf körperliche Unversehrtheit höher wiegt. Wann ist dies jedoch der Fall und wann nicht. Im Fall von Emma fand ich es schwer. Scheinbar wurde sie krampfen gelassen zu Hause. Scheinbar arbeitete die Mutter lieber mit Globuli. Am Ende stimmte sie jedoch zu, dass Ihre Tochter ins Krankenhaus kommt. Also wo fängt man an, wo hört man auf?

 

 

 

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3 Kommentare zu „Aus dem Nähkästchen #5 oder ein Vergleich

  1. Holla, die Waldfee.

    Ad 1) Erfahrt Ihr nie etwas von den Patienten, nachdem sie im Krankenhaus oder im Hubi verschwinden? Wäre das nicht sinnig fürs QM aber vor allem für die eigene Psychhygiene?
    Ad 2) Welche Abläufe gibt es, um hier wirklich eine Kindswohlgefährdung zu verhindern? Polizei dazuholen? Gerichtliche Verfügung? Habt Ihr da Abläufe?
    Über die Mutter verliere ich hier keine Worte, das wäre der Aufmerksamkeit zuviel.

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  2. Lieber Kinderdik,
    zu 1) manchmal erfahren wir wie es weiter geht oft nicht. Erfahren tun wir nur etwas , wenn wir in er Klinik selber nachfragen oder durch Zufälle. Also etwa, wenn sie Patienten oder Angehörige sich mal bedanken oder zum Beispiel weil man einen Patienten auf die gleiche Station bringt oder als Patient dort liegt und nach fragen kann. Sonst eher nicht. Bei manchen Patienten fragt man sich schon was wohl daraus wurde. Für die Psychohygiene wäre es manchmal mit Sicherheit sinnvoll. Eben um der Frage zu entgehen habe ich alles getan was geht? Habe ich alles richtig gemacht? usw. QM schwierig es gab mal die Idee den Patienten Postkarten zur Bewertung zu geben nur fanden wir das unpassend. Gerade steht dein Leben Kopf und dann bekommt man eine Karte zu Bewertung in die Hand gedrückt. QM und Fehlermanagement ist im RD und überhaupt in der Medizin ja so eine Sache.

    zu 2) Wirklich festgelegte Abläufe haben wir da wenig. Auch in der Ausbildung wird wenig darauf eingegangen. Ja uns wird gesagt habe man den Verdacht einer Kindesmisshandlung/ Kindeswohlgefährdung solle man das beim Arzt ansprechen. Es ist eine schwierige Kiste. Gerade bei der Frage Misshandlung. Ist diese Verletzung jetzt plausibel oder nicht. Mir ist zum Beispiel die Geschichte einer Familie bekannt die zu unrecht in diese Mühle Kindesmisshandlung geraten ist. Im Zweifel kann man aber die Polizei hin zu ziehen. In der Klinik kann auch eine richterliche Verfügung eingeholt werden, wie es ja auch zum Beispiel bei Bluttransfusionen/ OPs bei zum Beispiel Zeugen Jehovas gemacht wird. Ich meine mich zu erinnern, dass von der KiTa auch eine Info an das Jugendamt ging. Es ist aber eine schwierige Kiste. Ich habe ja nun auch eine Schweigepflicht. Ich dürfte nach einem VU wo der Verursacher sagen wir mal Drogen genommen hat und mir das eröffnet dies nicht der Polizei mitteilen.

    In einem anderen Fall haben wir mit unserem Chef gesprochen und er hat das Jugendamt informiert. Da war es so das die Kinder ich meine 10 und 17 der psychisch erkrankten Mutter die Media abgenommen haben und sie versteckt haben aus Angst die Mutter könnte damit versuchen sich zu sukzedieren. Die Wohnung war verhüllt und dreckig und die Kinder haben im Prinzip die Mutter versorgt.

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