Veröffentlicht in Allgemein, Arztbesuche & Klinikaufenthalte, Denkarium, Gedanken, Krankheit & Leben, Meinung, Persönliches, Prägendes

Von Vertrauen und Veränderung

Eigentlich wollte ich heute einen weiteren Einsatzbericht verfassen. Jedoch bewegt mich ein anderes Thema wesentlich mehr. Insbesondere, da es mir gezeigt hat das es wichtig ist für seine Meinung und seine Wünsche einzutreten. Doch beginnen wir am Anfang.  Anfang Oktober berichtete ich hier von dem Beginn meiner Challenge Opiate absetzen. Seit dem ist viel passiert. Negatives genauso wie sehr viel positives. Ich habe eine Vielzahl unterschiedlicher  Menschen und Geschichten kennengelernt und viel über mich, Kommunikation und Mut gelernt. Eine Sache ist mir wieder einmal besonders bewusst geworden. Ein Team muss harmonieren, sonst klappt es nicht und alle spüren es und leiden darunter. Besonders, wenn eine Person im Team negative Stimmung verbreitet, pflanzt sich das wie Lauffeuer fort.

Im Oktober schrieb ich über die ersten Tage nach der Umstellung. Inzwischen bin ich bei 12,5% der Ausgangsdosis angekommen und es geht mir sehr,sehr gut. Ich habe von der Reduktionen bisher nie wirklich etwas gespürt. Man könnte diskutieren ob ich vielleicht mal schlechter geschlafen oder etwas mehr geschwitzt habe. Es war jedenfalls nichts wo ich gesagt hätte auf alle Fälle es ist durch die Reduktion bedingt. Bisher haben meine Ängste sich nicht bestätigt. Ich bin nun gespannt wie es auf den letzten Metern wird. Je kleiner die Dosis desto größer wird ja die prozentuale Reduktion. Ich blicke dem jedoch ganz entspannt entgegen. Seit Januar haben sich nämlich einige Grundvoraussetzungen geändert. Nun treffen alle im Titelbild genannten Schlagworte zu. Beginnen wir im Oktober.

 

Ich zögerte lange bevor ich mit der Behandlung begann. Ein Grund war sicher meine Ängste und Sorgen. Ein weiterer und nicht unwesentlicher Punkt war die Stimmung und der Patientenumgang der Arzthelferinnen in der Praxis meines Hausarztes.  Ich hatte schon einige unschöne Erlebnisse gehabt. Ich entschied mich jedoch dafür.  Gleich am Tag des Behandlungsbeginnes bereute ich es eine Helferin brüllte quer über den Flur meinen Namen und die Diagnose.Auch schimpfte sie, sie habe keinen Bock und überhaupt wie ätzend alles sei. In den folgenden Wochen viel mir auf, dass Patienten die in der Praxis waren die wegen Drogensubstitution behandelt wurden von ihr schlecht behandelt wurden. So mussten sie oft viel länger warten, auch mit Termin. Sie ging nicht auf ihre Probleme, Wünsche und Fragen ein. Auch mich behandelte sie lange schlecht. Bis ihr klar wurde, dass ich Schmerzpatientin war und kein Drogenproblem habe.

 

Trotzdem lief viel schief. Fragen und Probleme gelangten von den Helferinnen nicht zum Arzt. Rezepte/ Überweisungen wurden trotz mehr als rechtzeitiger Anforderung nicht fertig ohne tägliches nachlaufen. Man musste immer damit rechnen angeblafft oder angeschriehen zu werden. Auf eine individuelle Lösung oder überhaupt die Lösung eines Problems musste man nicht hoffen. Stets wurde einem das Gefühl vermittelt eine Last und    unerwünscht zu sein. Ich fühlte mich immer unwohler in der Praxis. Auch wurde ich immer ärgerlicher. Ich war stets höflich, versuchte zu entlasten wo es ging. Ich sagte rechtzeitig bescheid, wenn ich etwas brauchte. Fragte immer ob es gerade passt oder ich lieber später oder an einem anderen Tag kommen sollte. Waren die Helferinnen beschäftigt sagte ich immer sie sollten in Ruhe fertig machen oder erst jemand anderem weiterhelfen. Ein Mal hatte ich etwas mehr als 2 Stunden später als mein Termin in der Praxis einen weiteren Termin. Ich saß bereits seit 1,5 Stunden im Wartezimmer , obwohl ich bei der Ankunft und mit der Termin gesagt hatte, dass ich später einen weiteren Termin habe. Ich ging also raus und fragte: Entschuldigung wie lange dauert es denn noch ich habe noch einen weiteren Termin. Bevor ich noch sagen konnte, ich frage nur um dort evtl. anzurufen und meine Verspätung anzukündigen wurde ich angefahren, dass es halt dauere und ich ja gehen könne wenn es mir nicht passe. Solche Szenen erlebte ich mehrfach. Allgemein hatte ich das Gefühl ein Mensch zweiter Klasse zu sein und ich gefälligst unendlich viel Zeit und Geduld haben müsse.

 

Ich rang lange mit mir. Immer wieder nahm ich mir vor meinen Arzt anzusprechen und meinem Ärger und meiner Verletzung Luft zu machen. Ich wollte jedoch auch niemand verpetzen oder schlecht reden. Ich selber habe Mobbing auf der Arbeit erlebt. Schlechte Behandlung durch den Chef wollte ich also für niemanden. Doch mein Unmut wuchs. Es ging soweit, dass ich nach Alternativen suchte. Ich sprach in der oft langen Wartezeit und auch wenn man sich zufällig begegnete viel mit meinen Mitpatienten. Auch sie berichteten davon von ihr drangsaliert zu werden. Auch sie hatten das Gefühl abgelehnt zu  werden und unerwünscht zu sein. Viele sagten sie würden sich nicht trauen etwas zu sagen, da sie auf unseren Arzt angewiesen waren.

Irgendwann erfuhr ich, dass die Helferin die Praxis verlassen würde. Es kam kurz danach dennoch zu einer lauten Auseinandersetzung mit meinem Arzt. Wieder einmal war trotz X Versuchen und Rückrufbitte nichts geschehen. Als er mich dann freundlich grinsend fragte warum ich denn sauer wäre platzte mir der Kragen. Im folgenden Gespräch wurden zwar meine Anliegen gelöst,in meinem Ärger und meiner Wut fühlte ich mich aber völlig unverstanden. Ich beschloss meinem Arzt einen Brief zu schreiben. Am letzten Tag vor dem Weihnachtsurlaub gab ich ihm diesen.

Mit dem Weggang der Arzthelferin wurde ein Großteil meiner Behandlung in eine Apotheke abgegeben. Mit diesen beiden Tatsachen und mit meinem Brief haben sich einige Dinge grundlegend und positiv verändert.

Bei meinem ersten Termin im neuen Jahr,bedankte sich mein Arzt bei mir für meinen Brief und entschuldigte sich. Ich hatte das Gefühl ihm war bisher gar nicht klar gewesen, wie extrem die Zustände in seiner Praxis waren. Wie der Patientenumgang war. Wie die Stimmung im Team war. Er fragte auch wie lange ich gewartet hätte und ob ich einen Termin habe. Seitdem hat sich die Kommunikation verändert. Er hat verstanden warum ich handelte wie ich handelte.

Auch fällt auf, dass seine Entscheidung für die Zusammenarbeit mit der Apotheke eine sehr, sehr schlaue war. Im Moment fehlt in der Praxis eine Vollzeitkraft ( gibt keine außer der Azubine) und eine die sich mit den Medikamenten auskennt erst recht. Also ist die Apotheke für beide Probleme eine Lösung. Außerdem ist die dortige Apothekerin eine Seele von Mensch. Eine sehr, sehr angenehme, engagierte, intelligente und freundliche Person. Bei ihr merkt man, dass sie gerne ihre Arbeit macht. Man fühlt sich immer Willkommen und Gewollt, wenn man in die Apotheke kommt. Außerdem hat man das Gefühl das Team kann sich gut leiden und steht hinter allem was im Laden passiert.

Ich habe schon viele lange und fundierte Gespräche dort geführt. Ich schätze den fundierten und  regen Austausch. Ich habe das Gefühl einfach gut aufgehoben zu sein. Es sind und sowohl durch die Apotheke und meinen Arzt alle Punkte auf dem Titelbild erfüllt. Es ist einfach eine gute Zusammenarbeit. Ich habe auch das Gefühl in meinem Streben und mit meinen Zielen unterstützt zu werden. Gerade die Apothekerin ist sehr hinter her, damit alles so läuft wie es soll. Sie telefoniert so oft mit der Praxis. Tritt ihnen auf die Füße, damit ich nach Hause fahren kann, damit ich meine Klausuren schreiben kann, mir Stress genommen wird. Auch haben sie und ich schon lange über fachlichen Fragen gebrütet und diskutiert. Ich mag das sehr. Auch sonst schätze ich es sehr mit ihr oder ihren Kolleginnen über alle möglichen Themen zu reden. Ich schätze ihre Meinungen und Ideen. Es ist einfach eine gute Zusammenarbeit.

 

Ich hatte am Anfang immer sorge allen zu viele Umstände zu machen. Sie von ihrer Arbeit abzuhalten. Zu viele Fragen, Ansprüche und was weiß ich was zu haben. Auch hatte immer Angst meine Rezeptänderungswünsche würden allen zu viele Umstände zu machen. Ich hatte auch, wie ich es irgendwie so oft habe das Gefühl die Menschen zu stören.

Vor ein paar Tagen sagte die Apothekerin zu mir sie würde mich vermissen und ich solle doch, wenn ich fertig bin trotzdem ab und an vorbei kommen. Seitdem bin ich endgültig sicher ihre Freundlichkeit und ihre Aussagen waren aufrichtig. Ich werde mit Sicherheit auch nach meiner Behandlung ab und an dort vorbei gucken und diese Apotheke hat einen Stammkunden mehr. Es ist in meinen Augen einfach wichtig lokale Unternehmen zu unterstützen, sonst sterben sie aus. Gerade in der Innenstadt hat es eine Apotheke schwer. Es sind so viele Apotheken. Gefühlt eine neben der anderen. Dazu kommt, dass vermutlich eher Laufkundschaft kommt als Stammkundschaft.

Zusammenfassend also ich bin zufrieden und fühle mich gut aufgehoben. Fühle mich mit all meinen Fragen und Wünschen akzeptiert und erwünscht. Auch habe ich das Gefühl in der Praxis herrscht eine viel freundlichere, entspanntere Atmosphäre. Ich gehe wieder gerne zu meinem Arzt. Ich fühle mich dort nicht mehr abgelehnt, sondern angenommen und erwünscht.

Es läuft also alles gut. Mal sehen wie es weiter geht. Ich werde berichten.

Ich hoffe ich habe jetzt alle Fragen beantwortet. Sollten noch irgendwelche offen sein oder jemand noch Zweifel haben nicht zögern einfach fragen.

 

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