Veröffentlicht in Angst, Arztbesuche & Klinikaufenthalte, Persönliches, Prägendes, Something New

Aus Schmerz wurde Abhängigkeit

Lange bekomme ich schon sehr starke Schmerzmittel. Seit über einem Jahr als Dauermedikation. Dank der Porphyrie und damit verbundener Folgen wie Nervenschäden. Ich hatte sowohl fest, als auch bei Bedarf Medikamente. Der Bedarf wurde immer hoher, die Wirkung gefühlt immer weniger. Es machte mir Angst, große Angst. Fragte ich mich wohin das führen würde. Ich hatte Angst vor körperlicher und psychischer Abhängigkeit. Mein Arzt wehrte ab Schmerzpatienten werden nicht abhängig und nein, nein alles gut.

Ich merkte wie das Studium und der Alltag immer schwerer zu bewältigen waren. Entweder war ich von den Medikamenten so müde, dass ich zum Teil in den Vorlesungen und beim Lernen einschlief und es überhaupt nicht mehr effektiv war oder ich hatte Schmerzen wie die Höhle. Ich fand niemand der mir wirklich helfen konnte und irgendwann gab ich es auch auf das Problem anzusprechen. Es war mir unangenehm.

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Von Peter Franz aus Flickr

Ich merkte nur das die Dosis die ich benötigte um wirklich Schmerzfrei zu sein immer höher wurde. Dann kam unser Urlaub. Wir wollten nach GranCanaria und mir wurde klar du musst klären wie du deine Medikamente mitnehmen kannst. Ich wollte ja keine „Drogenschmugglerin“ sein. Ich erfuhr wie es funktionierte und ging zu einem meiner Ärzte. Er füllte das Blatt für das Gesundheitsamt aus. Es musste die Tagesdosis und die Reisedauer, Medikamentenmenge etc. angegeben werden. Mein Arzt war von sich aus so nett trotz einer Reisedauer von einer Woche für 2 Wochen einzutragen. Er sagte man weiß ja nie falls ein Streik oder sonst was ist. Ich ging zum Gesundheitsamt. Die Bedarfsmedikation wurde direkt ohne Probleme und ohne Mengenbegrenzung ( naja also auf eine Flasche) unterschrieben. Allerdings bei der Dauermedikation strich er die Reserve und errechnete genau was ich für eine Woche brauchte. Ich hatte Angst, weil ich wusste das ich mehr nahm. Dachte mir aber ok dann löst du es mit dem Bedarfsmedikament.

Wir flogen also los und ich hatte die ganze Zeit Angst trotz der Zettel hatte ich Angst. Vor allem als mir im Flugzeug auffiel, dass in meinem Rucksack in seinem Geheimfach noch zwei Blister des Dauermedikamentes waren. Ich hatte es dort, da es mein Unirucksack war und ich häufig meine Medikamente erst dort nahm. Dummerweise hatte ich es völlig vergessen. Ich hatte solche Angst. Ich schmuggelte gerade quasi ein Medikament welches unter das Betäubungsmittelgesetz fiel. Wir kamen in Spanien an, holten unser Gepäck verließen den Sicherheitsbereich und es passierte genau nichts. Ich war so unfassbar erleichtert. 3 Tage vor der Abreise war das Bedarfsmedikament leer (es war ohne hin nicht mehr viel drinnen gewesen). Und durch einen Magendarminfekt waren auch die Tabletten wieder heraus gekommen. Ich hatte nicht mehr viele. Ich versuchte mich durch zu schlagen. Ich hatte fürchterliche Schmerzen.

Mir taten die Gelenke so weh, ich hatte das Gefühl sie würden brechen. Dazu die Schmerzen im Bauch. Schmerzen im Armen und Beinen. Doch dazu kamen noch Entzugserscheinungen. Ich schwitzte und fror abwechselnd, meine Muskeln rissen, ich hatte das Gefühl keine Sekunde still sitzen/liegen zu können, mir war übel, ich hatte Durchfall( nein das war nicht mehr der Infekt bzw. die Lebensmittelvergiftung), mir lief die Nase, ich konnte 2 Nächte nicht schlafen. Maximal 1 Stunde vor Erschöpfung schlief ich. Ich wollte einfach nur das es aufhörte. Hinzu kam eine Blasenentzündung und der Beginn eines Porphyrieschub durch den Kohlenhydratmangel.

Dann stolperte ich auch noch und knickte mit dem Fuß um.Ich war beim Arzt bekam Infusionen und ein wenig Morphin, es half wenig. Wir beschlossen einen früheren Flug zu nehmen. Der Flug war der Horror. Als wir zurück in Deutschland waren hatte ich im Auto zum Glück noch Medikamente. Ich nahm direkt etwas und es wurde in kürzester Zeit besser. 3 Tage später landete ich wegen meines Knie im Krankenhaus. Kurz danach wurde mein Arzt langsam hellhörig und hörte zu was meine Bedenken bezüglich eines Abhängigkeit anging. Doch noch unternahm er nichts reduzierte lediglich die Menge die er mir verschrieb.

Es dauerte bis vor wenigen Wochen. Wir hatten beschlossen es zu wagen. Ich würde ein Medikament bekommen das sowohl am Rezeptor wirkte gleichzeitig, aber auch einen anderen blockieren würde. Das Medikament macht keinen Kick, man merkt also nicht wenn es anflutet. Dieses Medikament wird dann Schrittweise reduziert. Am Anfang alles unter ärztlicher Kontrolle später dann zum mitnehmen nach Hause. Das Gute die Schmerzen werden genau so genommen( oder fast Schmerzspitzen habe ich leider immer noch), ich bin aber nicht mehr so müde und eben die Abhängigkeit wird bearbeitet. Was nach dem Absetzen ist muss man sehen. Was dann bezüglich des Schmerzes ist. Ich möchte jedoch nicht mehr Abhängig sein und ich bin zu jung um dauerhaft solche Medikamente zu nehmen.

Doch um dieses Medikament nehmen zu können musste man die Alten absetzen und die Entzugserscheinungen eine gewisse Zeit aushalten. Da sonst zu viele Rezeptoren besetzt sind und es eben einen Kamof beider Medikamente um den Rezeptor gibt und sie immer abwechselnd an und ab docken. So verlängern sich die Entzugserscheinungen. Ich hatte furchtbare Angst davor. Hinzu kam das erst durch ausprobieren die richtige Dosierung für mich gefunden werden musste. Ich nahm also mein altes Medikament Sonntagabend das letzte Mal und bekamm Montagnachmittag das erste Mal das neue. Ich hatte wieder alle oben genannten Symptome. Doch es war zu früh und die Dosis zu gering. Ich bekam Montags noch mal etwas nach und Dienstags wurde noch mal erhöht. So war es ok. Bis es mir wieder komplett gut ging dauerte bis Donnerstag oder Freitag. Die Zeit von Sonntag Nacht bis ungefähr Mittwoch Nacht waren wirklich grausam. Ich wollte dazwischen alles abrechen und alles wieder zurück zu dem wie es vorher war.

Jetzt bin ich froh die Zähne zusammen gebissen zu haben und es geschafft zu haben die ersten harten Tage geschafft zu haben. Ich hoffe jetzt den Rest genauso gut durch ziehen zu können und danach ein Schmerz und Medikamentenfreies Leben führen zu können.

Warum schreibe ich das alles hier? Ich musste es mir von der Seele schreiben. Doch das ist nur der eine Punkt, viel wichtiger ist mir aufzuzeigen es kann so schnell gehen. Man muss wirklich wachsam sein und dann noch Ärzte haben die einem zuhören und einen Ernst nehmen. Mein Arzt hat mir bestätigt hätte mein Alter Arzt und auch hier die ersten beiden Ärzte die ausprobierte auf mich gehört und rechtzeitig etwas getan hätte man mir den Weg den ich jetzt gehen muss ersparen können. Man hätte einfach das alte Medikament langsam reduzieren können und gut wäre gewesen. Dazu war inzwischen zu viel Zeit vergangen und die Menge zu hoch.

Ich sage euch also seit wachsam und vor allem nicht alles ist wie es scheint.

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