Veröffentlicht in Allgemein, Denkarium, Familie, Gedanken, Lebe/Liebe/Lache, Nachts, Schnipsel, Worte

Liebe in Sicht äh Land!

Ich bin wie immer zu spät dran. Eine Eigenschaft die ich überhaupt nicht leiden mag. In vielen Bereichen ist es auch gar kein mir zugehöriges Attribut. Geht es in letzter Zeit jedoch darum irgendwo noch einen Zeitpuffer zu haben scheitere ich im Moment gnadenlos. Ich stehe dazu und es nervt mich trotzdem. Auf der anderen Seite zeigt es einfach wie leer die Reserven gezogen sind und wie sehr ich nur noch von Ereignis zur Ereignis und von Verpflichtung zu Verpflichtung hetze. Mit mir häufig der Chaosking. Die Nervenkostüme bei beiden bis zum zerreißen gespannt und oftmals reicht schon eine Kleinigkeit und eine Nervensaite reißt. Es kracht und scheppert häufig im Augenblick. Was unter normaler Anspannung ein reinigendes Gewitter wäre, wird zur Zerreißprobe. Ich komme mir im Moment häufig vor wie im Pumakäfig und Nein ich meine nicht den Geruch. Ich meine eher das umeinander herumschleichen, jeden Millimeter Raum genauestens abklopfen, die Grenzen suchen. Geht einer zu weit rappelt es im Karton und das mächtig.

Diese ewige Anspannung und das Gefühl ständig ohne Sonar durch ein Eisberggebiet zu manövrieren, dazu im ärgsten Nebel streng an. Es streng uns beide so sehr an. Eigentlich ist da so viel Liebe, dass merken wir beide immer wieder. Doch vermischt sie sich in diesem Nebel einfach untrennbar mit dem Smog und es rappelt. Wir sind Urlaubsreif. So lange ist die letzte richtige, gemeinsame Auszeit her. Fast genau auf den Tag genau 2 Jahre ist unser Urlaub mit den Chaoskingeltern den Dolomiten her. Es war wunderbar. Doch Land ist in Sicht. Davon am Ende mehr.

Ich kann zur Zeit nicht so besonders gut schlafen. Es liegt eben auch an der Anspannung. Meine Gedanken kreisen, die Drahtseile schaffen es nicht sich so weit zu lockern, dass ich mich statt einen Drahtseilakt nachdem anderem zu tanzen kurz in die Hängematte fletzen kann und entspannen und schlafen kann. (Jetzt bitte das Musikvideo unten aktivieren)

So schließt sich der Kreis zu zu spät. Ja durch nicht schlafen können und den ganzen Trouble schaffe ich es erst jetzt zu schreiben. Vor 2 Jahren und 2 Tagen kamen wir nicht nur aus dem Urlaub zurück nein, ich setze mich von meinen Mitreisenden ab und begab mich zum Innercircle meiner Chaosfamilie. Auf dem Parkplatz des Restaurants zur goldenen Möwe fand die Übergabe statt. Quasi von Schwiegereltern in Spe an die noch zuständigen Eltern.

Gegenseitige Sympathie besteht. Puh na Glück gehabt. Ich muss bei Gelegenheit Frau Mama ohne hin mal fragen ob sie sich den Chaosking inzwischen mal gemerkt hat. Sie fragte beim ersten Treffen zwischen meinen Eltern und dem Chaosking(es war meine Examensfeier Krankenpflege 2012) meine Schwester ob sie sich den merken müsse. Ich frage mich bis heute was das sollte. Der Chaosking ist nachweislich immer noch an meiner Seite. Er war der Erste und bisher Einzige den meine Eltern kennenlernten. Ich erzählte und schleppte also nicht alle 3 Wochen einen anderen heran. Naja man muss nicht alles verstehen Zurück zur Übergabe.

Ich stieg also ganz wieder Kind, dass man nun einmal immer bleibt bei seinen Eltern, brav auf den Rücksitz des elterlichen Vehikels. Bekleidungsjagd war angesagt. Was ich dabei hatte, würde den mütterlichen TÜV,in Bezug  auf den seine  Schatten vorauswerfenden Anlass, nicht bestehen. So musste also noch ein passendes Partyoutfit her. Was auch immer ihr/Sie jetzt denken, falsch es ist weder eine schillernde Gala noch eine rauschende Party. Es geht um eine Ü80 Party um genauer gesagt warf der 90igste Geburtstag meiner  Großmutter am nächsten Tag seine Schatten voraus.

Wir tobten also in der kleinen Unterfamilieneinheit durch die Stadt und ergatterten für mich ein seriöses Outfit in dem ich weder drohte den Tod durch Wärmestau zu sterben, da meine Großmutter nichts von meinen Selbstzerstörerischen Taten auf meinen Armen wusste musste es langärmelig sein, noch sollte das rettende Gewand danach ein Schrankhüter werden. Ich kann sagen, da Jeans immer gehen trage ich diese heute noch und auch der Rest kam in verschiedenen Kombinationen immer wieder zum Einsatz. Wir kauften etwas mehr als benötigt. Auch zwei paar Schuhe. Eines davon war leider schon wenige Monate später im Begriff seine Sohlen zu verlieren. Alles in allem folgte ein erstaunlich, schneller, friedlicher, erfolgreicher Einkauf.

Wir begaben uns ins Elternhaus meiner Mutter. In dem schon der Inbegriff von Stolz, Liebe und Güte wartete meine Großmutter. Wie immer, wenn man am Abend ankam bekam man eine Fläddlesuppe und eine auf der Herdplatte etwas aufgebackene Bretzel vom Morgen. Sie strahlte mich an. Zum Nachtisch gab es den auch obligatorischen Vanillepudding mit Schokostreuseln. Allerdings musste dieser Pudding mit Obst gegessen werden. Ich betrachte sie und denke 90 wahrlich ein stattliches Alter, man sieht es nicht.

Der nächste Tag kommt der 23.März. Obwohl wir früh aufstehen und Abends den Tisch gedeckt haben schlafen alle außer ihr auf der anderen Seite des Treppenhauses und sie läuft, wie jeden morgen unbemerkt zum Bäcker und hollt Brezeln, Hörnle und so weiter. Am Vormittag kommt der Pastor, vom Ländle kommt eine Urkunde alle Ehren diese Frau für ein langes, bewegtes Leben. Ich muss schmunzeln als der Pfarrer kommt er ist erst seit kurzem am Ort. Großmutter schimpft, wie unpassend es doch jetzt sei. Zum Mittagessen soll die große Feier beginnen. Ihr Wunsch all ihre Lieben, also Kinder, Enkelin, Nichten und Geschwister mit Familien so weit es geht noch einmal zusammen zu bekommen geht in Erfüllung. Als sie dort sitzt in mitten all ihrer Gäste und strahlt. Sie hat einen entrückten Blick als stehe sie über all den Dingen. Sie wirkt glücklich, gelöst, zufrieden, keineswegs so alt, weise, mit sich im Reinen. Als wir so zusammen sitzen und feiern denke ich und in 10 Jahren feiern wir ihren 100.Geburtstag

Ja sie hat Osteoporose und auch schon 2 mal einen Wirbel gebrochen. Sie hat einen Bluthochdruck der sehr gut medikamentös eingestellt ist ( dachte ich) und in den Händen Durchblutungsstörungen. Sie hat inzwischen eine Hilfe beim Saugen des Treppenhauses. Sie ist langsamer und müder geworden. Doch geistig noch vollkommen klar und ohne Einschränkungen. Jeden Tag kocht sie für sich frisch. Zu Weihnachten backt sie 7 bis 10 verschiedene Sorten Gebäck. Es schmeckt so unverschämt gut, dass jeder hofft etwas davon ab zu bekommen. Dieses Päckchen in der Vorweihnachtszeit, eingeschlagen in Servierte und Seidenpapier, mindestens 3 mal die Adresse auf und in dem Päckchen, immer ein paar kleine Tütle Gummibärle dabei, erwarten ich und alle anderen Sehnsüchtig. Sie ist stets sauber und adrett gekleidet ich habe nie erlebt, dass irgendwo etwas heraus hing oder sie schlampig gekleidet war. Sie roch immer gut. Halt nach meiner Großmutter manchmal etwas nach 4711, eher aber nach einem anderen Duft den sie von ihrer Tochter bekommen hatte. Ich ziehe meinen Hut vor ihr. Davor eben genau diesen Wert auf sich zu legen all das zu tun.

Ich denke zurück an meine Kindheit wie sie mir mein Armband rettete, an meine Einschulung, an die Tage in denen sie extra kam um mich zu betreuen, wie schwer ich es ihr manchmal machte weil ich einfach nur zu Mama wollte oder immer nur Nein sagte, wundervoll, leckeres mit Liebe gekochtes Essen, tolle Kuchen, Erbeerchen und Johannisbeeren aus dem Garten, mein Unfall mit dem Garagentor, Bilder von mir überall, die Liebe, ihr Stolz, das Gebet für mich. Die unendliche Liebe einer Großmutter. Ich könnte noch Stunden lang weiter machen. Irgendwann kamen meine Gedanken zurück in die Realität. Sie schaffte es lange erst gegen 22 Uhr löste die Gesellschaft sich auf.  Zu Hause ging sie ohne große Umwege ins Bett und wirkte so glücklich. Wir tranken noch einmal auf sie.

3 Tage später erlitt sie einen Schlaganfall, der sie nie wieder die alte werden ließ. Wenig später brach sie sich ihr Becken, davon sollte sie sich nie wieder erholen, genau 4 Monate nach ihrem Geburtstag starb sie an einer Lungenentzündung. Es war ihr Wunsch nicht mehr ins Krankenhaus gebracht zu werden und sterben zu dürfen. Sie durfte auch, wenn es uns unsagbar schwer gefallen ist sie gehen zu lassen.

Ich hätte ihr so gerne noch von meinem Studienplatz erzählt. Ihr gegönnt der Hochzeit ihrer Tochter beiwohnen zu können oder meine Hochzeit  zu erleben. So unfassbar häufig habe ich davon geträumt, wie ich ihr vor allen anderen erzähle das sie Urgroßmutter wird und hätte sie so gerne mit ihrem möglichen Urenkel im Arm gesehen. 90 Jahre sind eine beneidenswerte, beachtliche Zahl an Lebensjahren. Sie hat wahrlich nicht nur leichte Jahre gehabt im Gegenteil. Sie hatte so viel Biss. Mit über 40 heimlich den Führerschein zu machen, alleine als Witwe bis ins hohe Alter ein Haus zu verwalten, Mieter zu haben.

Wie gesagt ich könnte noch Stunden so weiter machen. Was ich sagen kann ich denke oft an sie und sie fehlt mir so sehr. Ich merke so viel Liebe, wenn ich an sie denke. Zugleich folgt der Trauer um sie immer das Bewusstsein, dass auch meine Eltern nicht unsterblich sind quasi auf dem Fuß. In diesen Momenten wird mir bewusst, welch unvorstellbares Glück ich habe und hatte. Ich hatte und habe eine Großmutter( sie war die letzte), Eltern und den Chaosking die mich unfassbar lieben und die so vieles für mich getan haben und bereit sind zu tun. Gibt es ein größeres Geschenk als so wie man ist mit allen Fehlern, Problemen, Gegebenheiten und Unzulänglichkeiten einfach geliebt zu werden? Es ist ein ganz, ganz großes Geschenk.

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Ein Geschenk das bis weit über den Tod hinaus geht, wenn man es festhält!

 

Wir sollten also wie dieses Herz aus einem so warmen, schmeichelhaften Material als Symbol für die Liebe steht und mit der Skeletthand die Vergänglichkeit des irdischen Lebens zeigt uns bewusst machen Liebe geht weit über den Tod hinaus. Es ist also auch in rauher, stürmischer, unruhiger See Liebe immer als Begleiter dabei. Manchmal sind Begleiter uns eben näher und manchmal stehen sie weiter weg und reichen uns, wenn wir zu stolpern drohen rechtzeitig und selbstverständlich die rettende Hand. Es ist also Liebe äh Land in Sicht. Wir sollten in dem ganzen Wussel und Trubel des Alltages nicht vergessen uns ab und zu auf das zu Besinnen was wirklich wichtig ist. Die Menschen die wir Lieben.
Außerdem egal wie rau und stürmisch die See auch ist irgendwann kommt am Rande  des Horizontes immer Liebe äh Land in Sicht. So ist es jetzt auch bei uns. Vorhin habe ich den Chaosking und mich eingecheckt für unsere Flüge nach Gran Canaria. Wir freuen uns so, so, so sehr. Endlich Zeit für uns, Zeit für die Liebe, Zeit um Kraft zu tanken. Ich glaube und hoffe mit steigender Kraft und Zufriedenheit sinkt auch das Konfliktpotential und hier herrscht wieder viel mehr Liebe.
Allein das schreiben dieses Beitrages und das hören der wundervollen ruhigen Musik haben mich jetzt Kraft tanken lassen. Ich werde jetzt also müde, mit kalten Füßen in die Kissen sinken und schlafen. Draußen werden schon die Vögel ihr munteres Konzert singen. Also in den Schlaf gezwitschert. Träume von Urlaub, meiner Großmutter und der Liebe.

In diesem Sinne lasst mehr Liebe in Eure Herzen und euer Leben. Gute Nacht und einen sonnigen Tag.

 

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