Veröffentlicht in Gedanken

Naiv sein tut manchmal gut!

Da bin ich also wieder zurück zu Hause. Also in unserer Wohnung. Zu Hause wo oder was ist zu Hause. Der Kölner sagt home is where the Dom is. Zu Hause ist wo das WLAN sich automatisch verbindet( ich hätte viele Zuhause). Wieder andere sagen Home is where the Heart is. Da ist viel Wahres dran. Genauso wie an Zuhause ist da wo wir es uns aussuchen. Doch gibt es einen Unterschied zwischen Heimat und zu Hause. Ich glaube schon das es eben genau diesen Unterschied gibt. Heimat hat etwas mit Wurzeln, Ursprung und tiefer Verbundenheit zu tun. Ein zu Hause kann vieles sein oder werden. Es ist die Frage ob wir einen Ort dazu werden lassen. Unsere Heimat bzw. unsere Wurzeln können wir weit weniger beeinflussen, wir bilden sie einfach wie ein Baum der irgendwo gepflanzt wurde. Sie werden immer tiefer und fester je länger oder intensiver wir es erleben können. Es ist wie bei Bäumen, Krankheiten, Schädlingen. Stürme und andere Gefahren und Störenfriede versuchen uns zu entwurzeln. Doch einen stabilen, gesunden Baum, mit eben solchen Wurzeln kann nichts verwüsten. Genau wie einen Menscnen. Ich habe feste Wurzeln auch wenn ich manchmal die Frage nach meiner Heimat nicht genau beantworten kann. Neben meinen Eltern hatte ich noch mehr Menschen die mir halt gaben und mir halfen zu wachsen, reifen und gedeihen. All diese Menschen trage ich in meinem Herzen wie einen verborgenen Schatz. Denn irgendwann kommt die Zeit in der man sich zwar an seine Wurzeln erinnern aber sie umpflanzen muss. Man muss seinen eigenen Platz in der Welt finden um später einem jungen Menschlein auch helfen zu können Wurzeln zu schlagen. Als ich nun am Donnerstag Heim kam, war ich enttäuscht. Das Chaos regierte in unserer Wohnung, der Chaosking wirkte abwesend und scheinbar nicht so überglücklich und überschwänglich wie ich es mir erwünscht und erträumt hatte. Ich hatte in meiner Vorstellung eine rosarote Glitzerseifenblasen , heile, heile Segen alles Superdupermegaklasse Wunsch. Doch das auch am Chaosking die lange Zeit der Trennung nicht spurlos vorbei geht hätte mir klar sein sollen. Doch irgendwie fragte ich mich ob er sich daran gewöhnt hatte und mich gar nicht mehr vermisste. Klar war es Naiv zu erwarten in eine wie im Comic blitzende Wohnung, mit selbstgebackenem Kuchen, vor Freude radschlagenden Chaosking, schnurrend anrennenden Katzen, Studienplatzzusage, rosa Wölckchen, Glitter und Feenstaub zu kommen.Aber diese Naivität tat so gut, dieser Wunsch nach Perfektion nach der langen Zeit voll Kampf, Rückschlägen und Suche, nach so vielem. Der Suche nach Identität, Rückhalt, Gesundheit, Liebe, Familie, Wurzeln. Ich wünschte es mir und wie so viele Wünsche machte es Plop und die Seifenblase zersprang und tropfte. Vieles hatte sich verändert seit meiner Abreise. Verändert in mir. Viele Fragen kann ich jetzt beantworten. Weis wieder das ich wundervolle Eltern und Zweiteltern, Freunde und meinen Partner habe. Ich habe wieder gemerkt das es wichtig ist sich gut anzuziehen,etwas Kriegsbemlung zu tragen, einfach wenn ich für mich Sorge bin ich zufriedener und strahle dies auch aus. Zufrieden, ausgeglichen und geliebt kämpft es sich leichter. Trotz allem Ärger und zu wenig Liebe zu Beginn ja hier bin ich zu Hause. Wenn auch fernab der Heimat. Dafür hängen hier Postkarten und leuchtet das Ampelmännchen den Weg. Doch hier fühle ich mich wohl. Jetzt muss ich Schritt für Schritt mit dem zum Dienst an den Putzutensielien gezwungenen Chaosking die Wohnung wieder in einen reinen, wie im Comic blitzenden Zustand versetzen. Dabei auch mal Anziehsachen ( freut sich der Altkleidercontainer), Sachen die seit mindestens einem Jahr nicht angefasst wurden ( dann werden sie es auch nicht mehr in der Regel) und Sperrmüll bzw. sonstiger Krempel der uns auffällt entsorgen. So etwas befreit und macht zufrieden. Meine saubere Küche macht mich entspannt. Sie steht für so vieles, für den A… hoch bekommen, für Ordnung, Veränderung und und und. Ich habe noch mehr aus Berlin mitgebracht. Nicht nur Andenken auch einige Vorsätze. Ich möchte mehr auf mich achtgeben, mich anders Kleiden,  das Leben genießen und nicht immer Perfektion zu wollen und hoffentlich dadurch mit Gesundheit belohnt werden. Langsam aber sicher tasten der Chaosking und ich uns wieder aneinander. Lassen uns fallen genießen es einander wieder zu haben. Mögen Sie das alles für Naiv halten. Ich halte es für das Leben mit seinen Wellen die man zu reiten wissen muss. Eben die Achterbahn mit Looping und unvorhersehbaren Drehungen und Wendungen. Ich möchte mich genau wegen dieser Unvorhersehbarkeit und möglichen Abstürzen in den nächsten Tagen noch einmal diesmal aber konsequent mit dem erstellen einer Patiententenverfügung beschäftigen und sie auch Hinterlegen. Ich werde  dies mit dem Chaosking, aber auch mit meinen Eltern besprechen. Ein Exemplar werde ich ihnen zukommen lassen. Ich denke auch ich sollte mit meinen Eltern einmal über deren Abschied reden. Ich sollte wissen wo wichtige Unterlagen liegen, Vollmachten bekommen und möchte ihre Wünsche kennen. Wir wissen nicht wie viel Edelsteine in unseren Stundengläsern des Universums noch enthalten sind, vor allem aber wissen wir nicht wie diese Stunden aussehen . Mit ist es wichtig zu wissen was wollen meine Eltern was auf keinen Fall, welche Wünsche und Hoffnungen haben sie an mich oder legen sie in mich. Bald ist es ein Jahr her das meine Großmutter aufgebrochen ist uns voraus zu gehen. Ich  vermisse sie würde ihr so gerne so vieles erzählen und sie fragen. Ich hätte mir sehr gewünscht, das sie  ihre(n) Urenkel noch kennen lernte, zu erleben wie ich beginne zu studieren, die Hochzeit ihrer Tochter, meine Hochzeit so vieles eben. Trotz ihres hohen Alters war sie so lebendig, so wach und doch wussten ihre Kinder was sie sich wünschte. Das wünsche ich mir von meinen Eltern. Ich glaube es hilft allen wen Dinge ausgesprochen und klar geregelt sind. Mir half auch schon bei Haukes Tod folgende Vorstellung :

Als der Regenbogen verblasste da kam der Albatross und trug mich mit sanften Schwingen weit über die sieben Weltmeere.
Behutsam setze er mich an den Rand des Lichts. Ich trat hienein und fühlte mich geborgen.

Ich habe euch nicht verlassen, ich bin euch nur ein Stück voraus.

Ich mag diese Vorstellung. Ich stelle mir den Tod  manchmal einfach als den Aufbruch in ein neues uns unbekanntes Abenteuer vor. Das Sterben ist der erste Schritt in dieses Abenteuer. Es klingt nach Geborgenheit und Wiedersehensfreude. Eine tröstliche und schöne Aussicht. Vor dem Tod habe ich keine Angst nur vor dem Sterben selber. Wobei es heute keine Qual mehr sein sollte. Doch das ist ein ganz eigener Artikel.  Bei der Trauerfeier (was für ein komisches Wort, eigentlich wäre Lebensfeier, wie manche es nennen passender, ich trauere zwar und nehme Abschied, aber ich sollte doch eigentlich das Leben und die gemeinsame Zeit mit dem nun Fehlenden feiern?) für meine Großmutter saß ich neben meinem Vater er hielt seine beiden Liebsten im Arm um sie zu trösten. In diesem Moment wurde mir schlagartig bewusst  das auch ich irgendwann um sie trauern müssen wie meine Mutter um Ihre. Das zerriss mir das Herz. Besonders in den letzten Wochen in  denen ich das erste mal seit Jahren so viel gemeinsame Zeit und Zusammenleben verbracht habe ist mir vieles noch mal aufgegangen.

Ich möchte einfach einmal in Worte fassen was mich bewegte. Wie es die Etikette verlangt die Dame zu erst.

Mama du wirst immer egal was kommen mag meine Mama bleiben. Wir hatten, haben und werden hoffentlich noch lange haben immer wieder mit einander gehadert, gerungen, uns verflucht , uns aneinander gerieben und uns zum Teil sehr lebhaft gestritten. Wir sind aber auch miteinander, durch den anderen wie auch immer gewaschen, haben uns entwickelt, zu schätzen gelernt. Ich weiß egal wie stürmisch und rau die See ist ich kann mich auf dich verlassen wir finden sicher in den Hafen oder holen die Kuh vom Eis. Du bist stolz auf mich. Spornst mich an nach den Sternen zu greifen, neuen Horizonte zu entdecken. Du hältst mir einen Spiegel vor, kritisierst mich, hilfst mir den Blick des anderen einzunehmen und zu begreifen. Manchmal ist das schwer da denkt man Ey du A…Nase du bist meine Mama du sollst mich verstehen und nicht den anderen. Doch meist ist es gut den anderen zu verstehen. Du hast immer mit mir gebastelt, gekocht, gebacken, genäht. Tolle Dinge sind dabei entstanden, wie  unser Ton Iglu, Plätzchen, Kostüme, das tolle Aquarium,Puppenkleider. Du hast mir Kultur näher gebracht und  irgendwie auch das Lesen. Für Bücher oder Klamotten kann man dich immer zu finanzieller Unterstützung erweichen. Ich genieße einkaufen mit dir, weil ich weiß eine kritische, ehrliche Begleitung mit einem Sinn für gute Looks zu haben. Ich habe tolle Sachen mit gebracht( Ihr müsst mal herkommen dann zeige ich dir tolle Dinge hier. Ich liebe es mit dir zu spielen (die Rummicub Runden fehlen mir), Unfug zu machen, Paps zu ärgern oder oder. Ich bin dankbar für gemeinsame Abende vor dem Fernseher oder mit Musik aussuchen, anhören, singen oder sonst was machen. Bevor ich selber Tauchen durfte hast du mir den Freitag versüßt und hast mich früh Raumschiff Voyager gucken lassen. Danke. Auch den Mittwoch wo Papa zum Volleyball spielen geht  hast du so oft es ging zu einem schönen Abend für uns gemacht. Ich werde dir auch niemals vergessen das du mit mir noch keine 12 Jahre in den Star Trek der Aufstand gingst und mir damit eine so große Freude bereitet hast. Ich erinnere mich gerne an unsere Ausflüge häufig in die Mark Brandenburg , gerne an Ferch/Caputh und die Maisfelder wo wir immer vom Bauern Bock sprachen. Ich liebte dieses Buch. Wie auch viele andere. Wenn du da warst last du mir abends vor wunderschön. Und der Sony Kassettenrekorder war ein tolles Geschenk. Ich könnte noch Stunden so weiter machen. Du bist eine tolle Mama hast mir vieles mitgegeben in meinen Wurzeln( gute Marnieren für Tisch und sonst so) hast mir Raum gegeben und bist manchmal furchtbar anstrengend aus Liebe . Ich liebe dich und hoffe dich noch lange zu haben. Ich bitte dich wie du mich bittest,pass verdammt noch mal auf dich und dein Leben/deine Gesundheit auf ( geh zur Nachsorge) wir haben nur jeweils eins und sie sind zerbrechlich.

Nun zu dir mein werter Herr Papa. Manchmal hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich dich viel mehr hatte als meine Schwester. Ich liebe dich. Du hast mich so oft vor meiner Mutter in Schutz genommen und  verteidigt und tust es hoffentlich noch oft. Auch wenn das für Mama bestimmt nicht immer einfach ist. Du bist der Mensch der mir die Welt erklärt so vieles und immer wieder neue Dinge. Vieles was wichtig ist im Leben hast du mir erklärt. Du hast mir zusammen mit Mama aber du noch mehr den Wert und die Wertschätzung von Dingen gezeigt. Trotzdem wart/seit ihr immer großzügig. Im Herbst hast du mit mir Drachensteigen lassen es war herrlich. Du hast und hattest immer ein Taschentuch in der Tasche für klebrige Finger und laufende Nasen. Wenn ich an dich denke denke ich automatisch an Stofftaschentuch, kleines rotes Schweizermesser, abnehmende Bart und Lockenpracht, Größe, den Breslauer Platz, Lachen, dein Fahrrad, Himmelzacksefixnocheins, Lederjacke und Technik.  Ich denke oft daran wie ich auf deinem Schoß saß und die erzählt hab was passiert ist. An unseren Besuch ,im Planetarium und der Sternwarte um Hellbob den Kometen zu bestaunen. Harry Potter Premieren im Zoopalast, tauchen, vorlesen abends im Bett, ungesunde Sachen essen und Mama nichts sagen, die Fahrten nur wir beide nach Marienau( ich habe sie so genossen). Zeitung lesen, SPD und soziale Gerechtigkeit du hörst mir stundenlang zu , diskutierst mit mir, erklärst mir Dinge. Oft gibt es Dinge da denke ich, bor Papa Frage. Du weißt so viel über Geschichte und Politik Wahnsinn. Ihr beide wisst so viel und habt so spannendes zu erzählen. Ich höre euch gerne zu. Besonders dir Papa wenn du von früher erzählst. Deine Uhr die du mir gebaut hast, ich finde sie immer noch super und werde oft darauf angesprochen. Niemals würde ich sie weggeben. Ich erinnere mich wie du mir als kleines Mädchen mal etwas über Sinus, Cosinus und Tangens erzähltes und ich einfach nur dachte ähm keine Ahnung was er mir erklären wollte, wozu ich es brauche und was das ist, aber verstanden habe ich es nicht. In der 11. Klasse dann hätte ich plötzliche die Erkenntnis ah das hatte Papa damals gemeint. Danke dafür und vieles mehr. Für Kassetten überspielen, Läuse bzw. Nissen ganz vorsichtig auskämmen, Bratwurst mit Nudeln,Ausflüge…. Die Entscheidung für uns. Du bist mein Fels in der Brandung und du warst  Bzw. bist immer so stolz auf mich und glaubst an mich. Ein gutes Gefühl. Ich mag das Bild auf dem du mit mir pfeifend beim Abiball tanzt und einfach stolz und glücklich bist. Deinen Blick als ich mit bestandenem Krankenpflege Examen zu dir komme. Danke für alles ich hoffe ich hab dich noch Lange. Ich liebe dich.

Meine Eltern sind ein Geschenk. Wir hatten manch raue See, manchen Orkan zu meistern, hatten Meuterei und ich segelte eine zeitlang unter einer anderen Flagge. Doch wir haben allem getrotzt ich kann mich immer auf sie verlassen. Ihre Liebe ist mir Sicher. Ich bin ihr ein und alles. Sie sind überzeugt von mir. Sie haben  auch Fehler gemacht, weil es auch Menschen sind und das macht sie noch liebenswerter. Sie waren nicht so schwerwiegend sonst wäre das Ergenbnis nicht so gut. Zu seinen Fehlern stehen erfordert Stärke und Mut , beides habt ihr mir gegeben. Ihr habt mir Werte vermittelt nicht nur moralische, sondern auch das Dinge einen Wert haben und gepflegt werden müssen, das man Lebensmittel mit Respekt behandelt weil andere zu wenig haben. Ihr habt mir feste, lange, starke Wurzelen gegeben die mich halten und aufrichten was auch immer kommen mag. Ansonsten habe ich ja noch euch, den Chaosking und die Superheldenfreunde. So kann ich niemals entwurzelt werden, egal wie hart der Sturm auch bläst. Danke ich liebe euch. Ihr seit alle ein Winkel in meinem Herz den jeder ganz für sich hat !!!

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2 Kommentare zu „Naiv sein tut manchmal gut!

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